Schon in meiner Kindheit auf dem bayerischen Land lehrte mich meine Mutter, eine Apothekerin, Botanik und Heilpflanzenkunde. Gesunde Ernährung und Naturheilmethoden waren bei uns Familientradition. Als Jugendliche widmete ich mich auf meinen Reisen durch Cornwall und die Bretagne dem Keltentum und den alten heidnischen Traditionen Europas. Gerade erwachsen geworden bereiste ich die Welt, entdeckte die altindischen Wissenschaftstexte und begeisterte mich für Orientalistik. In meinen Jahren in Südindien lernte ich die traditionelle Ayurveda-Medizin.

Auf meinen Reisen erfuhr ich viel über die medizinische Versorgung weltweit, über die unterschiedlichen Ernährungssysteme, über Ackerbau und Heilpflanzen. Ich begegnete indigenen Völkern, alten Traditionen und Religionen. Rasch gesellten sich zahlreiche Reisetagebücher zu meiner jugendlichen Prosa. Mein erster Berufswunsch war es, Schriftstellerin zu werden. Zur Zeit meines Abiturs kam der Wunsch Psychotherapeutin und Ärztin zu werden.

Nach meinem Medizinstudium an der Philipps-Universität Marburg, in das sich auch etliche Semester Psychologie und Indologie einschlichen war ich erst einmal etwas ratlos. Was nun? Die anerkannten Facharztrichtungen wollten einfach nicht zu mir passen. Nochmals reiste ich nach Indien und lies mir von meinem Ayurveda-Lehrer Mut machen. Er gab mir den Segen für meine erste eigene Ayurveda Praxis, die ich über zehn Jahre hinweg am Bodensee und in München betrieb. Doch dabei blieb es nicht. Mit dem Image von Ayurveda als „Wellness-Medizin“ wollte ich mich nicht anfreunden, konnte dies aber auch nicht ändern.

Im Laufe der Jahre erwarb ich weitere Berufs- und Reiseerfahrungen. Ich arbeitete unter anderem als Honorarärztin in der Transfusions- und Präventivmedizin in Deutschland, und in der Schweiz als Assistenzärztin in der Allgemeinen Inneren Medizin, der Rehabilitation und Geriatrie. Ich sammelte Erfahrung und abertausende Wörter als Medizinjournalistin.

Meine Reisen führten mich durch Europa, Asien, Nordamerika, Nordafrika, Australien und Neuseeland. Zunehmend beschäftigte mich die Klimakrise. Vom Flugzeug sattelte ich um auf Bahn und Bus, auf das Fahrrad und meine Füsse. Als Ärztin sehe ich wie wichtig Klimaschutz für unsere Gesundheit ist. Vor allem arme Länder wie Bangladesh, oder die Regionen oberhalb der Polarkreises sind heute schon massiv vom Klimawandel betroffen. Verlust von Anbauflächen und Hungersnöte nehmen weltweit zu. In der Begegnung mit Permakultur und regenerativer Landwirtschaft lernte ich weiter.

Wie müssten wir uns verhalten, damit wir alle genug zu essen haben? Wie können wir uns eine bewohnbare und gesunde Erde bewahren? Wie werden wir den Traumata der Naturkatastrophen, Pandemien und Kriege begegnen? Heute bin ich in Weiterbildung zur Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie in Bremen vielleicht ein ganz klein wenig weiser geworden, aber gleichermaßen neugierig geblieben.